Der Preis der Trägheit und Ineffizienz – Michel Friedman und Julian Nida-Rümelin über die Zukunft unserer Demokratie
Umfragen zeigen: Das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Handlungsfähigkeit des Staates schwindet. Einige zeigen sich sogar offen für autoritäre Ideen. Zu viel Bürokratie, langwierige Entscheidungsprozesse und mangelnde Flexibilität zählen zu den häufigsten Vorwürfen gegenüber der öffentlichen Verwaltung.
Vor diesem Hintergrund diskutierten Prof. Dr. Michel Friedman und Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin am 15. April 2026 vor mehr als 900 Teilnehmenden zum Auftakt der Online-Vortragsreihe „Moderner Staat – Impulse für mehr Handlungsfähigkeit“ der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung. Im Mittelpunkt standen die Ursachen dieser Entwicklung und mögliche Wege aus der Krise.
Wie kann der Staat angesichts globaler, nationaler und lokaler Herausforderungen verlorenes Vertrauen zurückgewinnen und seine Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen? Welche Bedeutung hat eine leistungsfähige Verwaltung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt? Und braucht es eine grundlegende Neuordnung staatlicher Prozesse und Zuständigkeiten?
Quelle: Michel Friedmann: Credit Nicci Kuhn - Julian Nida-Rümelin: Credit Diane von Schoen
„Wir sind vielleicht etwas müde, träge, bequem gewesen die letzten Jahre. Das schließt aber überhaupt nicht aus, dass wir uns in 5 bis 10 Jahren hier wieder zu dem Thema unterhalten und feststellen, was für eine Dynamik stattgefunden hat. (…) Viele Menschen in unserem Land haben eine Sehnsucht, dass Demokratie effizient bleibt und dass die Verwaltung sich gemäß auch entwickelt.“, attestierte Prof. Dr. Michel Friedman der Bundesrepublik. Zugleich ermutigte er alle Teilnehmenden: „Menschen haben in den letzten Jahrzehnten – bei aller Kritik – immer noch eine Verwaltung geschaffen, die von sich aus die Demokratie unterschreibt und sich von ihr im System kontrollieren lässt. Ich finde das jetzt schon mal eine gute Ausgangslage um Effizienz und auch Verbesserung zu dynamisieren. Es gibt keine Alternative, als das Menschen es tun und das bedeutet Streit, das bedeutet ein Risiko einzugehen. Aber warum nicht?“
Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin stellte fest: „Wir sind in einer umfassenden digitalen Transformation. (…) Es kommt darauf an, was wir daraus machen. (…) Möglichst viel davon ist nicht Digitalisierung. Eine digitale Transformation, die sinnvoll ist, wird dort eingesetzt, wo sie mehr Spielräume erweitert, indem wir Dinge in digitale Tools verlagern, die uns eher belasten, als dass sie uns einen Gewinn bringen. Das ist die eigentliche Aufgabe und nicht blind zu digitalisieren.“
Die Veranstaltung wurde von Nina Haase, Chief Political Correspondent der Deutschen Welle, moderiert.
Die Online-Vortragsreihe „Moderner Staat“ ist Teil der Modernisierungsagenda Bund und wird im Fortbildungsbereich von der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung umgesetzt. Regelmäßig geben Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Sport Impulse zur Staatsmodernisierung.
Weitere Informationen zur Online-Vortragsreihe finden Sie hier:
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