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Den Staat neu denken: Fünf Lehren aus dem Maschinenraum der Macht

Wie kann der Staat in einer Zeit wachsender Erwartungen handlungsfähig bleiben? Welche Voraussetzungen braucht erfolgreiche Staatsmodernisierung? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der ehemalige Bundesminister Peter Altmaier in seinem Vortrag „Den Staat neu denken: Fünf Lehren aus dem Maschinenraum der Macht“ am 11.06.2026 im Rahmen der Online-Vortragsreihe „Moderner Staat“ der Bundesakademie.

Nur wenige Personen kennen die Bundesverwaltung aus so unterschiedlichen Perspektiven wie Peter Altmaier. Der langjährige Bundestagsabgeordnete war unter anderem Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, Chef des Bundeskanzleramtes sowie Bundesminister für Umwelt, Finanzen und Wirtschaft. Bereits zu Beginn der 1990er Jahre arbeitete er als Beamter im höheren Dienst bei der Europäischen Kommission in Brüssel. Diese Doppelperspektive aus Politik und Verwaltung prägte auch seinen Vortrag. Mit Blick auf das Publikum betonte Altmaier: „Ich bin einer von Ihnen.“

Peter Altmaier
Quelle: Peter Altmaier - Portraitfoto Credit Tobias Koch

Aus seinen Erfahrungen im „Maschinenraum der Macht“ leitete Altmaier fünf Empfehlungen für wirksames Handeln in Staat und Verwaltung ab.

 An erster Stelle steht für ihn die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und die eigene Perspektive zu erweitern. Wer staatliches Handeln gestalten wolle, dürfe nicht allein aus der Sicht der eigenen Organisation denken. Entscheidend sei vielmehr, die Auswirkungen politischen und administrativen Handelns auf die Bürgerinnen und Bürger in den Blick zu nehmen.

 Ebenso wichtig sei eigenständiges Denken. Verwaltung dürfe sich nicht darauf beschränken, bestehende Positionen oder Einschätzungen zu reproduzieren. Stattdessen gelte es, Ursachen zu erkennen und Probleme an ihrer Wurzel zu verstehen. Mit Verweis auf den lateinischen Leitspruch „Rerum cognoscere causas“ – die Ursachen der Dinge erkennen – warb Altmaier für Neugier, Analysefähigkeit und kritisches Hinterfragen.

 Erkenntnis allein genügt jedoch nicht. Veränderung beginne im eigenen Verantwortungsbereich. Wer Missstände erkenne, solle diese nicht nur benennen, sondern aktiv nach Lösungen suchen. Handlungsfähigkeit entstehe häufig im Kleinen – dort, wo Beschäftigte bereit seien, Verantwortung zu übernehmen und Verbesserungen anzustoßen.

Zugleich machte Altmaier deutlich, dass komplexe Herausforderungen selten allein bewältigt werden können. Erfolgreiche Veränderungsprozesse erforderten Verbündete, Kooperation und belastbare Netzwerke – innerhalb der eigenen Organisation ebenso wie über Ressort- und Institutionengrenzen hinweg. „Es gibt Themen, die können Sie nicht allein lösen“, betonte er.

Als fünftes Element nannte Altmaier die Fähigkeit zur wirksamen Kommunikation. Selbst die besten Ideen blieben folgenlos, wenn sie nicht verstanden würden. Botschaften müssten klar, prägnant und verständlich formuliert werden. Idealerweise so, dass ihr Kern in einem einzigen Satz erfasst werden könne. Als Beispiel verwies er auf den Begriff „Strompreisbremse“, der komplexe politische Maßnahmen in einer eingängigen Form auf den Punkt bringe.

 Die fünf Lehren ergeben zusammen ein Plädoyer für mehr Eigenverantwortung, Problemlösungskompetenz und Kooperation. Staatsmodernisierung, so Altmaiers zentrale Botschaft, beginnt nicht allein mit neuen Strukturen oder Gesetzen. Sie beginnt bei den Menschen, die Verantwortung übernehmen, Veränderungen anstoßen und andere für gemeinsame Ziele gewinnen. Genau auf die Stärkung dieser Denkweise ist die Vortragsreihe „Moderner Staat“ der Bundesakademie letztlich ausgerichtet.

Die Online-Vortragsreihe „Moderner Staat“ ist Teil der Modernisierungsagenda Bund und wird im Fortbildungsbereich von der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung umgesetzt. Regelmäßig geben Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Sport Impulse zur Staatsmodernisierung. Von den letzten drei Vorträgen dieser Reihe konnten bereits über 2.000 Beschäftigte der Bundesverwaltung profitieren.

 Die Veranstaltung wurde von Désirée Rösch, Journalistin und Reporterin des WDR und 3Sat, moderiert.

Der nächste Vortrag unter dem Titel „Einfach besser verwalten: Die Transformation des Kundenmanagements im Bundesverwaltungsamt“ findet am 26.08.2026 von 10:00 bis 11:30 Uhr statt. Ortrun Xylander, Kundenmanagementleiterin des BVA, erläutert wie organisatorische Neuordnung, Zusammenarbeit und Nutzerorientierung zu einfacheren Abläufen und besserem Service beitragen können.

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