GSB Standardlösung

50 Jahre BAköV

Die Mission der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung

Die sich wandelnden Herausforderungen in Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Arbeitswelt erfordern immer neue Kompetenzen. Ob Internationalisierung, Verwaltungsmodernisierung oder Digitalisierung: Bundesbedienstete müssen mit der Zeit gehen. Seit ihrer Gründung hat sich die BAköV dem Ziel verschrieben, sie für diese Veränderungen fit zu machen.

Imagefilm der Bundesakademie

1969: Das Gründungsjahr der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung

Europäische Vorbilder

Der Austausch der europäischen Staaten untereinander zeigte die Notwendigkeit eines institutionellen Rahmens für die Fortbildung der Bundesbediensteten und unterschiedliche Modelle auf. Während Frankreich auf ein stark zentralisiertes und elitebildendes Konzept setzte, stach Großbritannien durch kontinuierliche Fortbildungen zur Verwaltungsmodernisierung hervor. Auch Bundesminister Prof. Dr. Carlo Schmid wies auf die Notwendigkeit hin, deutsche Bundesbedienstete zentral und kontinuierlich aus- und weiterzubilden.

Verwaltungslehre und Politische Bildung

Es fehlte eine zentrale Bildungsinstitution, die bestehende Lücken in Verwaltungslehre und Politischer Bildung füllen und flexibel auf neue Herausforderungen reagieren konnte. Zugleich sollte auch ein Ort der Begegnung und des Austausches von und für Persönlichkeiten aus Politik, Staatsdienst, Wirtschaft, Gewerkschaft und kulturellem Leben geschaffen werden. Die neu gegründete Fortbildungsstätte sollte insbesondere Fachwissen aktualisieren, die Fähigkeit zu interdisziplinärer Zusammenarbeit fördern, neue Planungs- und Entscheidungstechniken sowie moderne Führungsmethoden vermitteln und die politische Bildung vorantreiben.

Mit Gründung der BAköV am 28. August 1969 wird dieser Plan in die Realität umgesetzt. Es folgen zahlreiche politische und wirtschaftliche Meilensteine, mit denen sich die BAköV fortlaufend weiterentwickelt hat. Die Internationalisierung und Modernisierung des deutschen Staates stellte in den 60ern auch neue Herausforderungen an die Bundesverwaltung: Es galt, die Bediensteten in den Themen Verwaltungslehre und politischer Bildung fortzubilden. Bereits im Jahr 1967 verabschiedete der Planungsstab im Bundesministerium des Innern das „Gutachten über Notwendigkeit, Möglichkeiten und Ausgestaltung einer zentralen Bildungsstätte des Bundes“. Ziel war eine Bundesverwaltung im Sinne eines „modernen, elastischen und effektiv arbeitenden Organismus“. Mit der Gründung der BAköV 1969 entstand hierfür der institutionelle Rahmen. Damals wie heute stärkt die BAköV die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes durch praxisnahe Fortbildung.

Film: 1969 Mondlandung

1978: Die deutsch-französische Freundschaft in der Verwaltung

Die Unterzeichnung des Vertrages über eine deutsch-französische Zusammenarbeit am 22. Januar 1963 war ein Paradigmenwechsel. Der Vertrag besiegelte den Wunsch beider Nationen nach einer dauerhaften Partnerschaft. Diese Annäherung erforderte auch weitere Qualifikationen der Bundesbediensteten, die die BAköV seither mit geeigneten Fortbildungsangeboten fördert. So gibt es seit den späten 70er Jahren einen Beamtenaustausch zwischen beiden Ländern. Heute erfahren Bundesbedienstete in BAköV-Seminaren zum Beispiel zum Thema „Raumordnung, Stadtentwicklung und Umweltschutz in Frankreich“ mehr über die Arbeit ihrer Kolleginnen und Kollegen.

MEGA besiegelt länderübergreifende Ausbildung

Im Laufe der Jahre wurde klar, dass eine gemeinsame Ausbildung – das heißt, ein gemeinsamer Studiengang – die deutsch-französische Zusammenarbeit entscheidend fördern würde. Daher vereinbarten die Regierungen im Jahr 2003 das gemeinsame deutsch-französische Qualifizierungsprogramm Master of European Governance and Administration (MEGA). Der Studiengang fördert, dass sich französische und deutsche Verwaltungsbedienstete kennenlernen, verstehen und besser zusammenarbeiten. MEGA ergänzt deren Qualifikationen um Management- und Führungskompetenzen und vermittelt speziell auch interkulturelle Erfahrungen und Kompetenzen.

2019: Aachener Vertrag besiegelt vertiefte Zusammenarbeit

Die Entwicklung der deutsch-französischen Zusammenarbeit ist weit vorangeschritten. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Emmanuel Macron unterzeichneten den neuen deutsch-französischen Vertrag am 22. Januar 2019 in Aachen. Er vereinbart eine neue Qualität der bilateralen Zusammenarbeit, durch die sich Deutschland und Frankreich gemeinsam in allen Politikbereichen auf die Herausforderungen der Zukunft einstellen. Die BAköV baut ihr Angebot in diesem Themenbereich kontinuierlich aus. So gibt es ab 2019 die Fortbildung „Interkulturelle Kompetenzen – unser französischer Nachbar“. Sie richtet sich an Beschäftigte mit dienstlichem Bezug zu Frankreich, die in die französische Kultur und Verwaltungsstruktur eintauchen und ihre interkulturellen Fähigkeiten vertiefen wollen.

Film: MEGA-Interview mit Juliane Seifert

1991: Die BAköV und die Wiedervereinigung

Die deutsche Wiedervereinigung war ein historisches Ereignis, das auch die BAköV auf bis dato ungeahnte Weise forderte. Denn der Einigungsvertrag sah vor, dass der Geltungsanspruch des Grundgesetzes und der Bundesgesetze in den neuen Bundesländern spätestens bis zum 31.12.1992 vollständig verwirklicht sein sollte. Zuständig dafür waren die neuen Bundesländer selbst, die jedoch über kein entsprechend qualifiziertes Personal verfügten. Daher schuf die BAköV zusammen mit Vertretern der neuen und alten Länder ein Programm und die Systematik, die sich als „Bopparder Modell“ etablieren sollte.

Das Qualifizierungsprogramm – unterteilt nach den Zielgruppen des höheren, gehobenen und mittleren Dienstes – bestand aus mehrwöchigen Grundlehrgängen zum Verwaltungshandeln im demokratischen Rechtsstaat und rechtlichen Grundlagen in der Verwaltung. Hinzu kamen unterschiedliche Schwerpunktbereiche als Aufbaulehrgänge, etwa bürgerliches Recht, öffentliche Finanzwirtschaft oder Arbeitsrecht.

Eigens für die Aufgabe, die Beschäftigten der früheren DDR weiterzubilden, gründete die BAköV im Januar 1991 die Lehrgruppe V. „Wir haben die Grundlagen und das System entwickelt, Umfang und Inhalte der Kurse entworfen“, erklärt Dr. Joachim Vollmuth, der erste Leiter der Lehrgruppe. „Die anderen Lehrgruppen haben uns mit ihren fachlichen Schwerpunkten unterstützt. Denn diese spezielle Herausforderung hat uns alle betroffen, wir konnten sie nur gemeinsam meistern.“

Erfolgreiche Transformation durch Fortbildung

Und gemeistert wurde sie: In kurzer Zeit lernten die Beschäftigten die neuen Grundlagen ihrer Arbeit, so dass schnell eine leistungsfähige Verwaltung entstand. Die BAköV wurde dabei nicht nur auf Bundesebene aktiv, sondern auch im Länderbereich. Besonders in Sachsen und Thüringen stießen die Fortbildungsangebote auf großes Interesse. Die Erfahrungen, die die BAköV durch die Wiedervereinigung sammelte, kamen kurze Zeit später auch anderen Ländern zugute: Sie floss direkt in die Fortbildungsunterstützung der mittel- und osteuropäischen Staaten ein, als diese ihre eigene Transformation zu bewältigen hatten. Besonders Polen, die baltischen Staaten und Russland unterstützte die BAköV – allein oder mit europäischen Partnern – auf diesem Weg.

Film: Interview mit Dr. Jürgen Vollmuth

2001: Bundesgleichstellungsgesetz

Sieben Jahre nach dem Frauenfördergesetz trat im Jahr 2001 das Bundesgleichstellungsgesetz (BGleiG) in Kraft. Ein Gesetz, dass für die weiblichen Mitarbeiter aller Verwaltungen des Bundes große Änderungen mit sich brachte. Die bedeutendste Veränderung ist die erste gesetzliche Verpflichtung, einen 50-prozentigen Frauenanteil in allen Ebenen der Verwaltungen des Bundes durchzusetzen. Mit diesem Gesetz wurde erstmals das Amt der Gleichstellungsbeauftragten (vormals Frauenbeauftragte) geschaffen. In Zusammenarbeit mit der Dienststelle ist es die Aufgabe der Gleichstellungsbeauftragten, das Gesetz umzusetzen.

Neue Fachkompetenzen notwendig

Gleichstellungsbeauftragte sind an allen personellen, organisatorischen und sozialen Maßnahmen ihrer Behörde beteiligt. Aus diesem Grund benötigen sie ein hohes Maß an Fachwissen. Um den Anforderungen des Amtes gewachsen zu sein konzipiert die BAköV spezielle Fortbildungsangebote für Gleichstellungsbeauftragte. Aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Personalverwaltung und Führungskräfte benötigen entsprechendes Fachwissen, so dass die BAköV auch diese Zielgruppen in Fragen des Gleichstellungsrechts und der Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbeauftragten schult. Per Gesetz ist jede Gleichstellungsbeauftragte eine Führungskraft. Auch wenn diese Führungsposition sich meist nicht in der Hierarchie widerspiegelt, benötigen Gleichstellungsbeauftragte auch Know-How in Bereichen wie öffentliches Dienstrecht, Haushaltsrecht und Organisation. Zusätzlich hat die BAköV bis 2019 neun Gleichstellungstage als Fachtagung organisiert. Diese dienten den jeweils rund 200 Gleichstellungsbeauftragten aus allen Resorts, den obersten Bundesgerichten und den nachgeordneten Geschäftsbereichen neben fachlichem Input als Möglichkeit des Austauschs und der Netzwerkbildung.

Veränderte Demographie und flexible Arbeitsmodelle

Gleichstellungsbeauftragte werden sich in Zukunft verstärkt mit den Folgen der Digitalisierung auseinandersetzen, vor allem im Hinblick auf Regelungen zu flexiblen Arbeitsplätzen und Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Aber auch der demographische Wandel und die Veränderungen in den Lebensverlaufsplanungen der Beschäftigten erfordern ständig neues und aktuelles Wissen von den Gleichstellungsbeauftragten, um kompetent ihren Beratungsauftrag ausfüllen zu können. Deshalb entwickelt die BAköV ihre Fortbildungsangebote entsprechend weiter.

Film: Gleichstellungstage 2019 - Beitrag Prof. Dr. Rita Süssmuth und Dr. Uta Mitsching-Viertel

EU-Ratspräsidentschaft: Europa entwickeln und gestalten

Deutschland wird in der zweiten Jahreshälfte 2020 die EU-Ratspräsidentschaft innehaben. Als Vorsitzland kann es die politischen Ziele der EU mitgestalten. Um die beteiligten Bundesbediensteten darauf vorzubereiten, bietet die BAköV spezielle Fortbildungen an – wie schon bei der Ratspräsidentschaft 2007.

Der Mitgliedsstaat, der die EU-Präsidentschaft innehat, trägt dafür Sorge, dass die Arbeit des Rates der Europäischen Union systematisch weiter vorangeht und Entscheidungen gefällt werden. Ein wichtiges Instrument dafür sind die Ratsarbeitsgruppen, die das Vorsitzland leitet. „Die Leitung einer Ratsarbeitsgruppe erfordert – neben den Fachkenntnissen – verschiedene Fähigkeiten, zum Beispiel Verhandlungs- und Sprachkompetenzen, die Fähigkeit, Kompromisse zu erarbeiten, aber auch interkulturelle Kompetenzen“, sagt Dr. Monika Rose-Stahl, Leiterin Lehrgruppe 2 (Allgemeine Fachfortbildung, EU- und internationale Kompetenzen) bei der BAköV. „Da immer mehr Verwaltungsbereiche vergemeinschaftet sind und in der Regel im Rat mit qualifizierter Mehrheit entschieden wird, ist es für die Verwirklichung nationaler Interessen besonders wichtig, die Funktions- und Arbeitsweise der Europäischen Union zu beherrschen.“

Mehr Aufgaben als im Turnus 2007

Die Bedeutung der EU für die Bundesverwaltung und die deutsche Gesetzgebung ist seit 2007 deutlich gewachsen. Das zeigt sich auch bei der Fortbildung: Damals schulte die BAköV in rund 20 Veranstaltungen rund 400 Teilnehmende. Diesmal werden es – auch aufgrund der gestiegenen Zahl der Ratsarbeitsgruppen (mehr als 150) – deutlich mehr sein. Die BAköV bietet – mit Unterstützung des Generalsekretariats aus Brüssel – ein spezielles Fortbildungsangebot zur Ratspräsidentschaft an. Dieses beinhaltet z.B. Themen wie „Cooperation between the Presidency and the Council Secretariat” oder „Relations with the European Parliament”. Darüber hinaus gehören dieses Mal auch Sprachtrainings, Briefings für obere und oberste Führungskräfte sowie für Koordinatorinnen und Koordinatoren in den Ressorts und andere Seminare zu Bereichen wie Verhandlungskompetenzen zum Angebot. Bis Ende 2020 ist die Vorbereitung auf die Ratspräsidentschaft ein Schwerpunkt der Lehrgruppe 2. Danach wird geprüft, welche Seminare neu konzipiert und welche aktuellen EU-Themen neu in das Programm aufgenommen werden.

Film: Vorbereitung EU-Ratspräsidentschaft - Interview mit Jürgen Neisse

2008: Gründung des Coachingzentrums

Die Bundesakademie setzte bereits seit Anfang 2000 bewährte Trainerinnen und Trainer aus der Führungskräftefortbildung als Coaches für Führungskräfte aus der Bundesverwaltung ein. Sie reagierte damit auf eine aktuelle Entwicklung im Bereich der Führungsfortbildung. Unter dem Begriff Coaching war eine personenzentrierte Beratung von Führungskräften insbesondere in der Wirtschaft entstanden. Auch in der öffentlichen Verwaltung stieg die Nachfrage nach Einzel- und Teamcoachings. Daher richtete die Bundesakademie ein Coachingzentrum ein, das im Juni 2008 seine Arbeit aufnahm. Seitdem ist „Coaching“ ein eigenständiges Leistungsangebot der Bundesakademie.

Das Coachingzentrum hat sich als zentraler Ansprechpartner in der Bundesverwaltung etabliert.

Coaching gilt als die individuellste und intensivste Form der Fortbildung. Es ist eine „interaktive Beratung und Begleitung auf Augenhöhe – außerhalb der Hierarchie“. Das Angebot richtete sich zunächst besonders an Führungskräfte, wird aber heute für alle Zielgruppen in der Bundesverwaltung angeboten. Während einige Behörden zu Beginn das Format zur Entwicklung ihrer Führungskräfte einsetzten, ist Coaching heute in den meisten Behörden angekommen und wird immer stärker nachgefragt. Die Zahl der vermittelten Coachings ist von rund 50 im Jahr 2008 kontinuierlich auf fast 400 Maßnahmen im Jahr 2018 gestiegen.

Neue maßgeschneiderte Formate

Das Coachingzentrum bietet seit 2015 auch die Vermittlung und Finanzierung von Mediationen an. In einem strukturierten Verfahren werden die Beteiligten bei Konflikten durch allparteilich agierende Mediatoren darin unterstützt, eine sinnvolle und für alle tragfähige Lösung zu finden. Das Angebot ist ein Beitrag der Bundesakademie zur Förderung der Konfliktkultur in der öffentlichen Bundesverwaltung. Die Anzahl der angefragten Mediationen steigt von Jahr zu Jahr weiter an. Ab 2020 wird das Coachingzentrum ein weiteres maßgeschneidertes Format anbieten: Kurzzeit-Coaching für Spitzenkräfte, ein Angebot für oberste und obere Führungskräfte.

Mit Coaching „am Puls der Zeit“

Coaching ist zeitökonomisch, bedarfs- und adressatenorientiert. Es unterstützt darin, passgenaue Lösungsansätze für konkrete Frage- und Problemstellungen zu finden. Im Coaching wird der individuelle berufliche und organisationsbezogene Kontext gezielt in den Blick genommen. Die Coachees bewerten diese Unterstützung als hilfreich und wirksam in der Praxis. Dies zeigt, dass die Bundesakademie mit dem Coachingzentrum „am Puls der Zeit“ ist.

Film: Redecoaching - ein Blick hinter die Kulissen

IT-Fortbildung – Digitalisierung für die Bundesverwaltung

Interview zum Thema Digitalisierung und mobiles Arbeiten in der Bundesverwaltung mit Peter Batt, Leiter der Abteilung DG (Digitale Gesellschaft; Verwaltungsdigitalisierung und Informationstechnik) im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI).

Durch die Digitalisierung wird sich in den Behörden einiges ändern. Auch das Thema mobiles Arbeiten wird in dem Kontext oft diskutiert. Inwiefern ist dies auch in den Behörden schon ein Thema?

Das mobile Arbeiten ist in den Behörden mittlerweile keine Ausnahme mehr. Damit steigt aber auch die Anzahl der zu beachtenden Punkte. Unterwegs lauern nämlich einige Risiken für die IT- aber auch die Informationssicherheit, auch außerhalb des Netzes. An so manche Gefahr denkt man im ersten Moment vielleicht gar nicht. Deshalb sind Sensibilisierungsmaßnahmen wie die der BAköV, z.B. „Die goldenen Regeln zum mobilen Arbeiten“, äußerst wichtig. Ein weiterer Punkt, warum das Thema mobiles Arbeiten gerade für die Behörden so ein großes Thema ist, ist der Wandel in der Zusammenarbeit, der gerade stattfindet. Es macht für Führungskräfte durchaus einen großen Unterschied, ob sie einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin fünf Tage die Woche um sich haben oder ob sie mit teils komplett unterschiedlichen Teilzeitmodellen arbeiten. Deshalb bietet die BAköV auch Seminare wie „Führen auf Distanz“ oder „Führungskompetenz im digitalen Zeitalter“ an.

Wird sich in Zukunft folglich auch die Nachfrage nach E-Learning verstärken?

Ja, durchaus, der Aufstieg des mobilen Arbeitens wird sogar einer der Treiber für E-Learning sein. Bislang haben die Behördenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter ihren ganzen Alltag danach ausgerichtet, dass sie die meiste Zeit der Woche im Büro verbringen. Wenn aber eine Arbeitswoche so ausgerichtet ist, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter drei Tage gar nicht im Büro sind, sondern von zuhause aus arbeiten, dann werden sie ihren Alltag auch dementsprechend ausrichten. Logisch, dass sie sich dann auch von zuhause aus weiterbilden wollen. Deshalb wird die Bundesakademie ihr Angebot dahingehend entwickeln. Aber die bisherigen Weiterbildungen werden davon nicht in Gänze ersetzt.

Als kleiner Ausblick: Was wird das nächste große Thema für die IT-Weiterbildung?

Ganz klar, die IT-Konsolidierung und folglich der Aufbau, der dafür neu benötigten Auftraggeberfähigkeit. Denn um IT-Dienstleister zu steuern, mit ihnen Preise zu verhandeln und korrekte Aufträge zu erteilen, bedarf es ganz anderer Planung und Fähigkeiten als bisher notwendig waren. Die Behörden haben mit diesen Aufgaben in dem erforderlichen Ausmaß noch keine Erfahrung. Hier sind wir gerade dabei, in Zusammenarbeit mit der BAköV ein Schulungskonzept zu entwickeln.

Film: Die goldenen Regeln zum mobilen Arbeiten

2018: Der Relaunch von IFOS-BUND®

Mit Beginn des neuen Jahrtausends begann auch eine neue Zeit für die BAköV, denn im Jahr 2002 wurde das Interaktive FOrtbildungsSystem für die BUNDesverwaltung (kurz: IFOS—BUND®) eingeführt. Damit wurde die Kommunikation in Fortbildungsangelegenheiten deutlich modernisiert und ausgebaut. Zudem wurde es dadurch möglich, das Kursangebot mit Online-Lernangeboten zu erweitern. Das internetbasierte System löste das vorherige EDV-gestützte Verfahren ab. „Dadurch konnte das Fortbildungsmanagement für die gesamte Bundesverwaltung organisatorisch und technisch erheblich verbessert werden“, so Wolfgang Vogelsberg, damaliger Projektleiter.

2018 – Der Relaunch

Sechzehn Jahre später wurde IFOS-BUND® neu aufgesetzt. Durch ein umfangreiches Rollen- und Rechtekonzept und die Einführung von Personenstammdaten werden die Herausforderungen des Datenschutzes gemeistert. Es ist heute möglich die Zugriffsrechte auf einzelne Aufgaben zu beschränken und dabei auch die Zuständigkeiten und die unterschiedlichen Ebenen der Behörden zu berücksichtigen. Das System ist barrierefrei und durch den Einsatz von Workflowkomponenten werden Routinetätigkeiten so weit wie möglich automatisiert. Änderungen in den fachlichen Abläufen können durch die fachliche Administration in der BAköV eigenständig umgesetzt werden, denn das neue IFOS-BUND ist in hohem Maße wartungsfreundlich und konfigurierbar.

Die Zukunft des Systems

Neue Funktionen werden stufenweise eingeführt. Die Unterstützung bei der Evaluation der Veranstaltungen, die Erstellung des Veranstaltungsprogramms und die Dozentenverwaltung sind die nächsten Themen in der BAköV. Die Meldebehörden können in Zukunft die Geschäftsbereichsbehörden in den Online-Prozess der Anmeldung mit einbeziehen und es wird eine Unterstützung beim Personalwechsel zu anderen Behörden geben. Die Fortzubildenden erhalten die Möglichkeit, sich selber im System zu registrieren und – sofern es die eigene Behörde erlaubt – eine Online-Interessenbekundung abzugeben, die dann über die eigene Behörde und die zuständige Meldebehörde weitergeleitet wird.“ Der Optimierungsprozess geht weiter und IFOS-BUND® wird mit den Menschen wachsen, die das System benutzen“, sagt Beatrix Bauer, Projektleiterin des Relaunchs von IFOS-BUND®.

Film: IFOS-Bund

Aktuelle und künftige Pläne und Aufgaben

Dr. Alexander Eisvogel, Präsident der BAköV im Interview

In einem Interview aus dem Jahr 2014 anlässlich des 45jährigen Bestehens der Bundesakademie entwarfen Sie das Bild der „BAköV 2020“. Inwiefern deckt es sich mit der Gegenwart?

Ich habe seinerzeit hervorgehoben, die BAköV müsse eigene Strategien zur Mitwirkung am Wandel unserer Arbeitswelt entwickeln. Das haben wir in den vergangenen fünf Jahren in die Tat umgesetzt. Wir sind inzwischen in vielen wichtigen Gremien vertreten, in denen Reformvorhaben beschlossen und Umsetzungsmaßnahmen diskutiert werden. Und wir sind in einen engeren Kontakt mit den Behörden getreten, um deren Ziele, Reformvorhaben und spezifischen Problemlagen zu erfahren und dazu maßgeschneiderte Fortbildungsangebote zu entwickeln.

Wie unterstützt die BAköV mit ihrem Angebot die Verwaltung der Zukunft?

Einerseits unterstützt die BAköV die Innovationsvorhaben der Bundesregierung und der einzelnen Behörden, indem sie den Personen, die den Reformprozess vorantreiben sollen, Schulungen zur strategischen Steuerung, zum Projektmanagement und Changemanagement anbietet. Andererseits vermittelt sie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Kenntnisse und Fähigkeiten, um den neuen Arbeitsanforderungen gerecht zu werden.

Die BAköV setzt unterschiedliche thematische Schwerpunkte. Sehen Sie hier in Zukunft eine Gewichtung in eine bestimmte Richtung – und wenn ja: warum?

Tatsächlich lässt sich ein Trend ausmachen: Neben der reinen Fortbildungsarbeit erwarten die Behörden von der BAköV auch immer mehr Beratung, vor allem in den Bereichen Personalentwicklung und Wissensmanagement. Darüber hinaus wird das Thema Coaching weiter wachsen, bei dem vor allem Führungskräfte ihre individuelle Situation reflektieren können und eine persönliche Unterstützung erhalten.

Welche strategischen Aspekte gilt es bei der künftigen Ausrichtung von Bildung und Weiterbildung aus Perspektive der BAköV zu beachten?

Die dienstliche Fortbildung muss an die Ziele der Behörden und die sich daraus ergebenden Anforderungsprofile für die einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anknüpfen können. Die BAköV wäre aber nicht die BAköV, wenn sie es bei einem solchen Appell beließe. Wir bieten daher den Behörden auch professionelle Moderation für Strategieworkshops und Schulungen zur Erstellung von Anforderungsprofilen an.

Welche Trends und Schwerpunkte im Bereich Weiterbildung und Lernen sehen Sie – und wie wird sich die BAköV hier positionieren?

Der Bedarf ist groß. Daher wird die BAköV flankierend und ergänzend zu den Präsenzveranstaltungen immer mehr E-Learning-Maßnahmen einsetzen, um das informelle Lernen am Arbeitsplatz zu unterstützen und der zunehmenden Verzahnung von Arbeiten und Lernen gerecht zu werden. Diese elektronischen Angebote werden wir intelligent mit unseren Seminaren verknüpfen müssen. Mit anderen Worten: Die Digitalisierung erfasst auch die Fortbildung selbst.

Film: Präsidentenforum 2019 - für eine leistungsstarke Verwaltung

Der Beirat der Bundesakademie

Mit der Gründung der BAköV wurden auch ihr Beirat und dessen Wissenschaftlicher Ausschuss ins Leben gerufen. Prof. Dr. Dr. h.c. Karl-Peter Sommermann ist Vorsitzender des Ausschusses.

Herr Professor Dr. Sommermann, welche Rolle hat der Beirat inne?

Der fünfzehnköpfige Beirat berät die Bundesakademie bei der Erstellung und Durchführung ihres Jahresprogramms. Und er nimmt Stellung zum Jahresbericht.

Sie sind der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Ausschusses. Können Sie uns dessen Funktion schildern?

Gern. Der Wissenschaftliche Ausschuss wird aus sieben Mitgliedern des Beirats gebildet. Uns obliegt die laufende wissenschaftliche Beratung der Akademie. Wir erarbeiten Stellungnahmen zum Jahresprogramm und Jahresbericht, die wir dann dem Beirat vortragen.

Wie läuft die Beratung zum Jahresprogramm ab?

Wir prüfen das Programm, das die Bundesakademie entwirft. In unserer jährlichen Sitzung nehmen wir dazu Stellung und formulieren Rückfragen, falls wir Klärungsbedarf sehen. So garantieren wir einen externen fachlichen Blick. Dieses Verfahren hat sich meines Erachtens bestens bewährt.

Weitere Informationen zum Jubiläum

Interview mit Dr. Eisvogel "Neue mediale Lernwege – Blended Learning auf dem Vormarsch"

Interview mit Dr. Eisvogel "Die Attraktivität des Bundes hängt zum großen Teil vom Fortbildungsangebot ab

Festakt am 02.09.2019

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